Exodus 14,8-14.19-23.28-30

Ostersonntag. Als Maria Magdalena, Maria und Salome am Ostermorgen das leere Grab entdeckten, da entsetzten sie sich. Und als sie es verließen, da fürchteten sie sich. Wissen wir also, was wir tun, wenn wir einander frohe Ostern wünschen? Früh schon empfanden Bearbeiter den Schluss des Markusevangeliums offenbar als mangelhaft, denn sie ergänzten die acht Verse, die wir eben in der Schriftlesung gehört haben, um weitere Episoden aus dem Leben des Auferstandenen. Entsetzen und Furcht am leeren Grab sollten nicht das letzte Wort haben. Einerseits verstehe ich das. Wer will schon bei Furcht und Zittern stehenbleiben? Andererseits verlieren wir dadurch etwas vom Realismus der Ostergeschichte. Das Grab ist leer. Jesus von Nazareth ist auferstanden. Damit ist aber noch nicht alles gut. Die Frauen am Grab halten mit ihrer Furcht, mit ihrem Entsetzen einen Platz frei auch für unsere Furcht und für unser Entsetzen.

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Hebräer 11,1-2(8-12); 12,1-3

Palmsonntag. Nein, nicht schon wieder! Dieser Gedanke durchfuhr mich wie ein Blitz, als sich am Dienstag der vergangenen Woche die Ergebnisse der Bund-Länder-Gespräche abzeichneten: An Ostern sollten auch dieses Jahr keine Gottesdienste stattfinden. Jedenfalls nicht in der gewohnten präsenten Form, mit echten Menschen gemeinsam in einem Kirchenraum. Mittlerweile ist die Politik zurückgerudert. Aufregung und Verwirrung waren groß. Am Ende haben wir selbst eine verantwortliche Entscheidung für Online-Gottesdienste getroffen. Vom Standpunkt des Corona-Schutzes ist das vernünftig. Und darum trage ich diese Entscheidung ja auch mit, keine Frage​. Doch wir Menschen haben ja nicht nur vernünftige Anteile. Ich spüre, wie mir die Situation zunehmend Mühe bereitet.

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Epheser 5,1-9

Okuli. Ich sitze auf der Bank in der Sonne und genieße die Wärme der ersten Sonnenstrahlen in meinem Gesicht. Um mich herum tönt fröhliches Kindergeschrei. Die Natur blüht auf. Alles wird grün. Das Leben erwacht. „Lebt als Kinder des Lichts“ höre ich den Widerhall alter Worte in mir. Nichts leichter als das. Und wie schön muss das sein!

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Jesaja 58,1-9a

Estomihi. Propheten leben gefährlich. Sie sind unbequem, denn es gehört zu ihrem Auftrag, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Nicht nur ihre Meinung, sondern die Wahrheit, die sie von Gott her gehört und verstanden haben. Da wird dann unweigerlich auch Klartext gesprochen. Wo es um die Wahrheit geht, geht es selten ohne die Konfrontation der Mächtigen ab.Das ist heute auch so. Denken Sie nur an Oppositionspolitiker in autoritären Staaten oder an Reporter, die Machmissbrauch aufdecken. Es schwingt etwas Prophetisches mit in ihrem Tun. Die Worte des Propheten wirken immer dann besonders gut, wenn sie einen aktuellen Missstand benennen und gleichzeitig auf etwas Grundsätzliches hinweisen.

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Exodus 13,20-22

Altjahrsabend. Was für ein Jahr geht heute Abend zu Ende? Sicherlich ein denkwürdiges Jahr. Eines, an das wir uns noch lange erinnern werden, an seine Schrecken, aber auch an seine guten und hellen Seiten. Als die Corona-Pandemie im März zu uns kam und wir zum ersten Mal das öffentliche Leben stark einschränkten, da hörte ich immer wieder Menschen ironisch fragen: Braucht das Jahr 2020 noch jemand oder kann das weg? Ich kann diese Frage gut nachvollziehen. Ehrlich gesagt habe ich auch genug von diesem Jahr.

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Jesaja 52,7-10

Erster Weihnachtstag. Das Jahr 2020 werden viele von uns als das Corona-Jahr in Erinnerung behalten. Ostern und Weihnachten ohne Präsenzgottesdienste, das hat es noch nie gegeben. Noch nie gegeben hat es auch ganz viele andere Angebote in diesem Jahr. Manche davon sind kurios. Zum Beispiel der Drive-in-Weihnachtsmarkt in Kalkar. Menschen fahren mit ihren Autos durch ein Winter-Wunderland und versuchen, Kunstschnee und Musik, Glühwein und Krippe zu genießen.

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Jesaja 11,1-10

Christvesper am Heiligabend. Ganz gleich, was heute Abend auf den Tisch kommt, – ob Würstchen mit Kartoffelsalat oder Gans oder Raclette oder Fleischfondue oder Karpfen –, es gehört in jedem Falle zum Weihnachtsfest dazu, dass es etwas Leckeres zu essen gibt. Heute ist kein Fastentag, und wer an Heiligabend Kalorien zählen will, der hat sich wohl irgendwie im Datum vertan. Wie ein reichhaltig gedeckter Tisch kommt mir auch der Predigttext aus dem Buch des Propheten Jesaja vor.

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Lukas 1,67-79

Dritter Advent. Jede Taufe, die wir miteinander feiern, erinnert uns an unsere eigene Taufe. Diejenigen von uns, die als Erwachsene getauft wurden, haben das Glück der eigenen Erinnerungen. Die anderen lassen sich erinnern, durch Erzählungen, Bilder oder Symbole. In jedem Falle ist die Taufe verbunden mit Menschen. Mit denen, die dabei waren als Gemeinde oder als Familie, und auch mit denen, die sie durchgeführt haben. Bei einem von denen wurde das Taufen sogar zum Bestandteil seines Namens. Johannes, der Täufer. Um ihn geht es im Evangelium für den heutigen dritten Advent.

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Sacharja 9,9-10

Erster Advent. Vor kurzem hatte ich auf einem Kinderbauernhof die Gelegenheit, einen Esel kennenzulernen. Esel sind wunderbare Tiere. Sie strahlen Ruhe aus und lassen sich augenscheinlich nicht aus der Fassung bringen. Geraten sie doch einmal in Stress, dann bleiben sie oft wie angewurzelt stehen. Das hat ihnen den Ruf eingebracht störrisch oder dumm zu sein.

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Offenbarung 21,1-7

Ewigkeitssonntag. „So geht die Zeit zur Ewigkeit.“ Diesen Satz lesen Sie, wenn Sie zur Matthäikirche gehen und auf die Uhr des Kirchturms schauen. Mir haben schon Menschen gesagt, dass ihnen dieser Satz Unbehagen bereitet, weil er sie an das Offensichtliche erinnert. Die Zeit vergeht, und wir vergehen mit ihr. Ein starker Satz, der solche Reaktionen auslöst. Aber auch ein hilfreicher Satz?

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