1. Korinther 14,1-3.20-25

2. Sonntag nach Trinitatis

Schön, dass Ihr hier seid. Ihr wollt an der Konfirmandenarbeit teilnehmen und konfirmiert werden. Das ist wunderbar. Im nächsten Jahr setzt ihr einen Teil eurer Freizeit für dieses Ziel ein. Und weil Eure Freizeit immer knapp bemessen ist, freuen wir uns darüber natürlich sehr.

Am Anfang der Konfirmandenzeit wird Euch vieles neu vorkommen, manches vielleicht auch merkwürdig. Schon alleine so ein Gottesdienst wie heute bringt viel Ungewohntes mit sich. Ich habe mich gefragt: Ist das eigentlich immer schon so gewesen, oder ist das nur heute so? In einem sehr alten Brief habe ich einen Hinweis gefunden. Der Briefschreiber heißt Paulus. Er schrieb den Brief vor fast 2000 Jahren an die christliche Gemeinde in Korinth, die er selbst gegründet hatte.

In diesem Brief steht:

1 Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe! Strebt nach den Gaben, die der Heilige Geist verleiht – vor allem aber danach, als Prophet zu reden. 2 Wer in fremden Sprachen redet, spricht nicht zu den Menschen, sondern zu Gott. Denn niemand versteht ihn. Was er unter dem Einfluss des Geistes sagt, bleibt vielmehr ein Geheimnis. 3 Wer dagegen als Prophet redet, spricht zu den Menschen. Er baut die Gemeinde auf, ermutigt sie und tröstet sie. 20 Brüder und Schwestern, seid doch nicht unmündig wie Kinder, wenn es ans Denken geht. Wenn es dagegen um die Bosheit geht, sollt ihr wie Kleinkinder sein. Aber beim Denken sollt ihr euch als mündige Erwachsene erweisen. 21 Im Gesetz heißt es: »So spricht der Herr: In fremden Sprachen und durch fremde Lippen will ich zu diesem Volk reden. Aber auch dann werden sie nicht auf mich hören.« 22 Das Reden in fremden Sprachen ist also ein Zeichen – aber nicht für die, die zum Glauben gekommen sind, sondern für die Ungläubigen. Bei der prophetischen Rede ist es umgekehrt: Sie ist nicht für die Ungläubigen bestimmt, sondern für die, die zum Glauben gekommen sind. 23 Stellt euch vor: Die Gemeinde kommt zusammen und alle reden in fremden Sprachen. Wenn jetzt Unkundige oder Ungläubige hereinkommen, werden sie euch wohl für verrückt halten. 24 Stellt euch aber umgekehrt vor: Alle reden als Propheten. Wenn jetzt ein Ungläubiger oder Unkundiger hereinkommt, wird er sich von allen zur Rechenschaft gezogen sehen. Er weiß sich von allen geprüft. 25 Das, was in seinem Herzen verborgen ist, kommt ans Licht. Er wird sich niederwerfen, Gott anbeten und bekennen: »Tatsächlich, Gott ist mitten unter euch!« (Basis-Bibel 2010)

Wenn ich Paulus richtig verstehe, dann waren die Gottesdienste der christlichen Gemeinde damals, vor fast 2000 Jahren, auch nicht sofort für jeden verständlich.

„Wenn Unkundige hereinkommen, werden sie euch wohl für verrückt halten“, schrieb Paulus der Gemeinde.

Das klingt ziemlich kritisch, finde ich. Paulus war unzufrieden mit den Korinthern.

In der Gemeinde vertrat eine Gruppe von Menschen die Meinung: Wenn wir Gott loben, dann tun wir das mit Worten, die aus unserem Herzen kommen und aus unserem Mund fließen. Und dann ist uns egal, ob irgendjemand außer uns das versteht.

Paulus aber meinte: Denkt bitte auch an die anderen. Denkt an die Neuen, an Menschen, die zum ersten Mal zu euch kommen, an Fremde. Die sollen auch verstehen, worum es euch geht. Gebt euch also bitte Mühe, euch verständlich auszudrücken.

Ich finde, das ist ein ziemlich kluger Tipp. Den sollten wir auch heute noch beherzigen. Schließlich geht es um etwas Wichtiges in der Kirche:

um Gott, der für uns Menschen da sein und uns helfen will.

Das sollen wir so sagen, dass alle Menschen es verstehen können.

Die meisten von Euch Konfirmandinnen und Konfirmanden sind als kleine Kinder getauft worden. Damals haben Eure Eltern gesagt: Wir entscheiden, dass unsere Kinder als Christen leben sollen. Oder zumindest, dass Ihr durch die Taufe mit der Kirche und dem christlichen Glauben in Kontakt kommt.

Diese Chance habt ihr jetzt im Konfirmandenjahr nochmal in besonders intensiver Weise.

Die Idee ist, dass ihr am Ende dieser Zeit sagen könnt: Ich habe Menschen kennengelernt, die diesen Weg gehen. Ich weiß, was es bedeutet, heute als Christ, als Christin zu leben. Und vielleicht könnt ihr dann auch sagen: Ja, ich möchte diesen Weg selbst auch gehen, auch wenn ich noch viele Fragen habe.

Eine Sache ist dabei aber ganz wichtig!

Es geht darum, dass Ihr selbst in der Lage seid zu entscheiden, was Ihr glaubt und was nicht. Wir machen in der Konfirmandenarbeit Vorschläge und überlegen miteinander, was für euch glaubwürdig ist.

Es geht nicht darum, dass ihr alte Formeln nachbetet.

Manche von den alten Formeln sind es wert, sie zu kennen, aber vor allem geht es darum, dass Ihr eine eigene Sprache für das findet, was Ihr glaubt.

„Beim Denken sollt ihr euch als mündige Erwachsene erweisen“, schreibt Paulus und genau das ist das Ziel. Ihr sollt mündige Erwachsene werden.

Menschen, die Bescheid wissen und selbständig sind.

Ich bin übrigens überzeugt, dass diese Erziehung zur Mündigkeit im Glauben auch die Mündigkeit in anderen Bereichen des Lebens unterstützt.

Wer sich kritisch mit dem eigenen Glauben auseinandersetzt, wer zu unterscheiden lernt, was glaubwürdig ist und was nicht, der ist am Ende alles andere als leichtgläubig, der lernt auch sonst fürs Leben viel.

Paulus schrieb an die Christen in Korinth, sie sollten „als Propheten“ reden.

Das klingt ein bisschen verrückt. Aber ein Prophet ist etwas sehr Vernünftiges.

Denn ein Prophet kann zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden.

Darum geht es, dass wir ein Gespür dafür entwickeln, was Wahrheit und Lüge ist.

Das ist heute in Zeiten von Social Media und Fake News wichtiger denn je.

Der Geist Gottes hilft uns zu unterscheiden zwischen Wahrheit und Lüge.

Und das geschieht vor allem dort, wo wir auf Gott hören und uns miteinander verständigen, was er uns heute sagt.

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass im Hören auf Gott und im Gespräch miteinander auch die Chance liegt, etwas über sich selbst zu erfahren.

Wir verstehen besser, wer wir sind, was wir brauchen und wohin wir wollen mit unserem Leben.

Wenn das geschieht, dann ist das gut und ein Geschenk Gottes.

Ich wünsche Euch, dass Ihr solche Momente erlebt in diesem kommenden Jahr.

Was auch immer ihr erlebt, eins ist sicher:

Es werden nicht alle Fragen beantwortet in der Konfirmandenzeit.

Vielleicht habt ihr am Ende der Zeit noch ein paar Fragen mehr als heute.

Eins aber sollt ihr wissen:

Schön, dass Ihr hier seid.

Und das ist die wichtigste Botschaft überhaupt heute.

Ihr seid willkommen!

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